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Anzeichen einer Lernstörung im Vorschulalter

Aktualisiert: 23. Apr.


drei Kinder spielen und bauen einen Turm von Würfeln


Eine Lernstörung rechtzeitig erkennen, bereits im Vorschulalter


Erste Symptome einer Lernstörung können schon im Vorschulalter zum Vorschein kommen. Wenn diese bemerkt werden, kann eine erfolgversprechende frühe Förderung der Fertigkeiten eingeleitet werden, die für das Lesen, Schreiben und Rechnen benötigt werden. Diese Fertigkeiten werden als Vorläuferfertigkeiten bezeichnet und es gibt mehrere Programme für Kinder im Vorschulbereich, mit denen diese Fertigkeiten gestärkt werden können.


Die frühe Nutzung solcher Programme haben sich als hilfreiche Präventionsmaßnahmen erwiesen. Sie beugen möglichen Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb und Erlernen des Rechnens vor. Durch intensive und gezielte Übungen kann bei vielen Kindern die Entwicklung anhaltender Lernstörungen verhindert, oder deren Ausprägung abgemildert werden.


Die beiden Würzburger Präventionsprogramme “Hören, lauschen, lernen” (Küspert & Schneider, 2018) und “Hören, lauschen, lernen 2” (Plume & Schneider, 2004) sind dazu sehr empfehlenswert. Das erste Trainingsprogramm dient der Stärkung der phonologischen Bewusstheit und wird im letzten Jahr vor der Einschulung durchgeführt. Das zweite enthält zusätzliche Übungen zur Buchstaben-Laut-Zuordnung. Beide Programme sind nachweislich kurz- und langfristig effektiv, insbesondere ihre Kombination. Die positiven Auswirkungen vor allem auf das Rechtschreiben waren noch in der dritten Klasse festzustellen.


Empfehlenswert ist auch das evidenzbasierte Förderprogramm für Vorschulkinder “Mengen, zählen, Zahlen: die Welt der Mathematik verstehen” (Krajewski et al., 2007) für frühe mathematische Fertigkeiten. Das Programm besteht aus einer Box mit verschiedenen Fördermaterialien und Handreichungen, die helfen, in einer spielerischen Form die Mengen-Zahlen-Kompetenzen zu stärken.


Werden die Lernschwierigkeiten erst bei Schuleintritt offensichtlich, besteht die Gefahr eines Teufelskreises aus Schulversagen, Schulunlust und Selbstabwertung des Kindes. Um diesen zu vermeiden, sollte die Früherkennung durch geschultes Fachpersonal bereits im Vorschulalter oder spätestens beim Schuleintritt geschehen, um bei Bedarf eine besondere Förderung einzuleiten.


Üblicherweise kann ab der zweiten Klassenstufe eine differenzierte Diagnostik erfolgen, wenn erste Lese-, Rechtschreib- und Rechenfertigkeiten vermittelt worden sind. In der schulischen Praxis wird eine diagnostische Überprüfung von Lernstörungen jedoch meist erst in der dritten oder vierten Klasse vorgenommen, wenn sich die Lernschwierigkeiten massiv angehäuft haben. Je früher aber die Lernschwierigkeiten erkannt und bearbeitet werden, umso besser können die massiven negativen Folgen für die betroffenen Kinder aufgefangen werden. Und dazu ist es nicht notwendig, bis zur zweiten Klasse zu warten. Hier können Sie erfahren, was bereits im Vorschulalter darauf hindeuten kann, dass eine frühe Förderung angebracht ist.

 

Zu Hause und in der Kita: Welche Symptome weisen auf eine Lernstörung hin?


Woran erkennt man ein erhöhtes Risiko für eine spätere Lese-Rechtschreibstörung (LRS)?


Im vorschulischen Alter werden grundlegende Fertigkeiten erworben, die für das Erlernen der Schriftsprache grundlegend sind. Hat ein Kind im Vorschulalter Schwierigkeiten in den folgenden Fertigkeiten besteht ein erhöhtes Risiko, dass ihm das Erlernen der Schriftsprache mehr Schwierigkeiten bereiten wird als anderen Kinder:


Laute:

  • Nennen von Wörtern, die mit dem gleichen Laut beginnen (z. B. Apfel, Anker, Adler)

  • Erkennen, ob zwei gehörte, ähnlich klingende Wörter gleich oder unterschiedlich sind (z. B. Garten und Karten)

  • Verbinden von Lauten zu einem Wort (“Was für ein Wort ist M-AU-S?”)

  • Wörter und Fantasiewörter nachsprechen

  • Ein Wort in seine einzelnen Laute zerlegen

  • Bestimmen der Position eines Lautes im Wort (Anfang, Mitte oder Ende des Wortes)

  • Erkennen und Weglassen von Lauten (z. B. Baum ohne B = aum)


Erste Buchstabenkenntnis:


Wörter:

  • Erkennen, ob zwei gehörte Wörter die gleiche Silbenzahl haben

  • Reimwörter erkennen oder ein Reimwort finden

  • Wörter in Silben gliedern (z. B. Tomate = To-ma-te)


Woran erkennt man eine Rechenstörung:


Bei einer Rechenstörung fällt es einem Kind schwer, ein Verständnis für Mengen und Zahlen zu entwickeln. Das hindert es daran, Rechenoperationen zu verstehen und auszuführen. Auch für eine spätere Rechenstörung kann man bereits im Vorschulalter Anzeichen finden, da auch für das Rechnen zunächst der Erwerb bestimmter Fertigkeiten entscheidend ist. Ein besonderes Augenmerk sollte auf Kinder gelegt werden, die sich im Vorschulalter mit folgenden Anforderungen schwer tun:


  • Vergleichen von zwei Mengen: Den Kindern fällt es schwer anzugeben, welche Menge größer bzw. kleiner ist (z. B. ●●●●●● ist mehr als ●●●●●)


  • Zuordnen von Mengen zu Zahlen und andersherum (z. B. ●●● und 3)


  • Abzählen einer Anzahl von Objekten und Bestimmen der Menge (Verstehen von Zählprinzipien, insbesondere des sogenannten Kardinalitätsprinzips, das besagt, dass die zuletzt genannte Zahl beim Abzählen die Menge repräsentiert)

    

Was tun bei Verdacht auf Lernschwierigkeiten bei einem Vorschulkind?


Wenn Sie bei Ihrem Kind Frühwarnzeichen für die Entwicklung einer Lernstörung feststellen, bedeutet das nicht, dass es zwangsläufig eine Lernstörung entwickeln wird, aber es hat ein erhöhtes Risiko, dass ihm in der Schule der Erwerb von Lesen-, Schreiben- oder Rechnen besonders schwer fällt. Die Beachtung der Frühwarnzeichen ermöglichen es, in Zusammenarbeit mit dem Kindergarten eine frühe Förderung der relevanten Bereiche zu beginnen und damit die weitere Entwicklung des Kindes positiv zu beeinflussen und den Übergang von der KiTa in die Grundschule zu erleichtern.


Beim Verdacht, dass ihr Kind ein erhöhtes Risiko für spätere Lernschwierigkeiten hat, empfiehlt es sich, entsprechende Hilfe aufzusuchen. Nehmen Sie Kontakt mit der KiTa Ihres Kindes auf und lassen sich von den Erzieherinnen und Erziehern Ihres Kindes beraten. Teilen Sie Ihre Beobachtungen und Vermutungen mit den pädagogischen Fachkräften. Auch die Kinderärztinnen und Kinderärzte stehen Ihnen beratend zur Seite. Es gibt auch für Zuhause Förderprogramme, mit denen die Vorläuferfertigkeiten für das Lesen, Schreiben und Rechnen gestärkt werden, z.B. Lass uns lesen! (Rückert et al., 2010), Meister Cody Namagi (2016), Meister Cody Talasia (2011) und Komm mit ins Zahlenland (Friedrich et al., 2011). Auf unserer LONDI Online-Plattform finden Sie im Bereich für Eltern auch ein Elterncoaching mit weiteren Hinweisen auf Förderprogramme, die sich für verschiedene Altersgruppen eignen. Alle empfohlenen Programme sind evidenzbasiert und haben sich als wirksam in der Förderung erwiesen.


Für ein wirksames Trainieren ist eine unterstützende und vertrauensvolle Atmosphäre wichtig. Es ist empfehlenswert, über die Lernschwierigkeiten mit Ihrem Kind offen zu sprechen, insbesondere wenn es selbst bereits gemerkt hat, dass ihm der Umgang mit Buchstaben und Zahlen schwerer fällt als anderen Kindern. Dabei sollten Sie dem Kind erklären, wozu es sich lohnt, Buchstaben und Zahlen zu kennen (Motivationsaufbau) und dass ihm die Trainingsübungen beim Lernen von Buchstaben und Zahlen helfen werden.


Beachten Sie während der Übungen die Erfolgsmomente des Lernprozesses, z. B. wenn Ihr Kind Interesse zeigt und kleine Fortschritte macht. Loben Sie das Kind dafür gezielt. Gestalten Sie die Lernsituation attraktiv und spannend, das Ergebnis soll dabei nicht im Mittelpunkt stehen.


Quellen:


  • Brandenburg, J., & Huschka, S. (2021). Wie unterstützen Eltern die häuslichen Lernaktivitäten von Kindern mit Lernstörung? Eine Längsschnittstudie. Kindheit und Entwicklung, 30 (2), 116-126.

  • Büttner, G., Brandenburg, J., Fiscbach, A., & Hasselhorn, M. (in Druck). Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb. (Bd. 6). Hogrefe.    

  • Krajewski, K., Nieding, G., Schneider, W., & Schneider, W. (2007). Mengen, zählen, Zahlen: Die Welt der Mathematik verstehen. Cornelsen.

  • Küspert, P., & Schneider, W. (2018). Hören, lauschen, lernen: Sprachspiele für Kinder im Vorschulalter–Würzburger Trainingsprogramm zur Vorbereitung auf den Erwerb der Schriftsprache. Vandenhoeck & Ruprecht.

  • Landerl, K., Vogel, S., & Kaufmann, L. (2017). Dyskalkulie: Modelle, Diagnostik, Intervention (3. Aufl.). Ernst Reinhardt.

  • Meister Cody GmbH. Meister Cody-Namagi Deutsch [Computer software]. (2016). Abgerufen von https://www.meistercody.com/produkte/namagi-legasthenie/

  • Meister Cody GmbH. Meister Cody-Talasia Mathe [Computer software]. (2011). Abgerufen von https://www.meistercody.com/produkte/talasia-dyskalkulie/

  • Plume, E., & Schneider, W. (2004). Hören, lauschen, lernen 2: Spiele mit Buchstaben und Lauten für Kinder im Vorschulalter–Würzburger Buchstaben-Laut-Training. Vandenhoeck & Ruprecht.

  • Rückert, E., Kunze, S., & Schulte-Körne, G. (2010). Lass uns lesen! Ein Eltern-Kind-Training zur Vorbereitung auf das Lesen-und Schreibenlernen. Verlag Dr. Dieter Winkler.

  • Schulte-Körne, G.: Lese-/Rechtschreibstörung: Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit LRS wirksam unterstützen und fördern, 1. Auflage 2021

  • Warnke, A., & Schulte-Körne, G. (2008). Umschriebene Entwicklungsstörung des Lesens und der Rechtschreibung. In Herpertz-Dahlmann, B. (Hrsg.), Entwicklungspsychiatrie: biopsychologische Grundlagen und die Entwicklung psychischer Störungen (S. 535-562). Schattauer.

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